Feuchter Keller? Ursachen für Feuchtigkeit im Keller erklärt.

Feuchte Kellerwand oder ein im Ganzen nasser Keller? Dieser erste Überblick beschreibt warum Feuchtigkeit im Keller auftritt. Start Artikelserie Kellersanierung.

Feuchter Keller nach Hochwasserschaden - Autor: animaflora
Artikeltags: Feuchte Kellerwand, feuchter Keller, nasser Keller, Feuchtigkeit im Keller
2019 | ble | n/a | feuchte-kellerwand-feuchter-keller.php
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Feuchtigkeit im Keller - Einführung

Der Keller ist in den Köpfen vieler Menschen ein eher unheimlicher, aber oft zugleich doch spannender Ort. Dunkel, ein wenig geheimnisvoll und immer schwingt ein wenig gefühltes Abenteuer- und Entdeckertum in uns mit, wenn wir durch uns unbekannte alte Gewölbe streifen. Die Hände berühren die feuchte Kellerwand vor uns und wir atmen die klamme, leicht modrig riechende Luft bei unserem Erkundungsgang ein. Was aber hat es eigentlich auf sich mit der Feuchtigkeit im Keller? Warum sind in so vielen älteren Gebäuden die Keller nass oder doch zumindest leicht feucht? Und noch wichtiger; ist das eigentlich ein Problem? Und was könnte man gegen eine feuchte Kellerwand tun? All das und noch viele weitere Fragen sollen in dieser Artikelserie rund um Feuchtigkeit im Keller und die Sanierung feuchter Keller beantwortet werden. Dieser Artikel macht dabei den Anfang und klärt über Ursachen auf und gibt einen Überblick über die Probleme die ein nasser Keller mit sich bringt. Im weiteren Verlauf werden weitere Artikel gezielt auf verschiedene Problematiken und Aspekte bei der Kellersanierung eingehen um die feuchte Kellerwand bzw. die ganze Feuchtigkeit im Keller (hoffentlich) in die Annalen der Geschichte eingehen zu lassen.

    Das Inhaltsverzeichnis des Artikels
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  1. Feuchter Keller – warum eigentlich?
  2. Feuchtigkeit im Keller – (k)ein Problem?

Feuchter Keller – warum eigentlich?

Gleich zu Beginn dieser Artikelserie ist unter dieser Überschrift eine ziemlich komplexe Frage zu beantworten, da die Ursachen für Feuchtigkeit im Keller recht vielfältig sind. Geht man zeitgeschichtlich einige Zeit zurück, stellt man fest, dass ein leicht feuchter Keller sogar erwünscht war. Alter, leicht feuchter Keller als Lagerraum mit Fässern und Kisten. Autor: klevit Keller wurden in früheren Zeiten nur als Lagerraum genutzt und die Verdunstungskälte durch die feuchten Kellerwände hielt die Temperatur immer ein wenig kühler als in den oberirdischen, bewohnten Räumen. Durch Kalkputze an den Kellerwänden hatte der Schimmel wenig Erfolg und die Einlagerung von Lebensmitteln für den Winter gelang in der Regel sehr gut. Da diese Eigenschaften Heute aber nur noch selten benötigt werden und wir auch eher Dinge im Keller lagern, die mit Feuchtigkeit nicht so gut zurechtkommen, oder sogar Kellerräume nachträglich als Wohnraum genutzt werden sollen, haben sich die Anforderungen stark verschoben und eine feuchte Kellerwand ist eher ein Ärgernis als ein Segen.

Wo kommt die Feuchtigkeit im Keller her?
Generell lassen sich 4 Hauptschuldige für Feuchtigkeit im Keller definieren:

  1. Bodenfeuchte in all seinen Ausprägungen und das Eindringen durch das Mauerwerk durch fehlenden, beschädigten oder fehlerhaften Feuchteschutz.
  2. Oberirdisch eindringendes Wasser durch fehlende oder fehlerhafte Ableitung an der Außenfassade.
  3. Beschädigte Rohrleitungen.
  4. Kondensfeuchte durch von außen eindringende und oberflächlich an den Kellerwänden kondensierende Luft.

Die häufigste Ursache für den Problemfall „nasser Keller“ ist sicherlich Punkt 1 in der Liste. Ist das Erdreich um die Kellerwände feucht und die Kellerwände nicht ausreichend gegen das Eindringen von Wasser geschützt, zieht die Feuchtigkeit in das Gestein des Gebäudesockels und der Kellerwände ein und wird mit Hilfe des Kapillareffekts in der Wand weiter nach oben transportiert. Je nach verwendetem Gestein und Mörtel ist der Kapillareffekt unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Extremfall steigt das Wasser in den Wänden um bis zu 1,5 Meter über dem Perimeter an. Es kann also problemlos auch das oberirdisch gelegene Erdgeschoss durchfeuchten. Grafik Feuchtigkeit dringt in die Kellerwände ein.In der DIN 18533 - Bauwerksabdichtungen wird die Ausprägung der Bodenfeuchte um die Kellerwand in verschiedene Klassen eingeteilt. Dies geht von der Klasse W1-E „Bodenfeuchte und nicht drückende Wasserbelastung“ über W2-E „drückendes Wasser bis hin zu W2.2-E „hohe Einwirkung von drückendem Wasser >3 Meter Eintauchtiefe“. Über diese „Lastfälle“ werden die erforderlichen Maßnahmen zur Abdichtung nasser Keller abgeleitet. Die DIN 18533 löste übrigens die bis 2017 gültige DIN 18195 weitgehend ab.

Punkt 2 aus der Liste ist ebenfalls ein häufig auftretender Problemfall, der aber gerne übersehen wird. Ursächlich ist oft das Eindringen von Spritzwasser oder schlechte bzw. eine defekte Ableitung von Regenwasser von Fassade oder Dach. Eine feuchte Kellerwand, die an der Kellerdecke zur Außenwand hin Feuchtigkeit zeigt, könnte gut ihre Ursache in von außen eindringendem Spritzwasser haben. Die oben genannte DIN 18533 sieht mit der Klasse W4-E auch einen solchen Schadensfall vor.

Punkt 3 kann wider Erwarten zu einem sehr hohen Wassereintrag in die Kellerwände führen, da ein Schaden an Rohrleitungen oft über lange Zeit unentdeckt bleibt. Sichtbar wird die Feuchtigkeit im Keller (oder anderen Räumen) meist erst, nachdem schon unzählige Liter Wasser in die Wand gesickert sind. Begrenzte Feuchteflecken im Bereich der (vermuteten) Leitungsführung können ein Hinweis auf defekte Rohrleitungen sein.

Punkt 4 bedingt sich durch die Eigenschaft der Luft viel mehr Wasser aufnehmen und halten zu können, wenn sie warm ist. Dringt nun zum Beispiel durch ein offenes Kellerfenster warme, feuchtehaltige Luft in den Keller ein, kühlt sie an den kalten Kellerwänden ab und kann die Feuchtigkeit nicht mehr halten. Sie kondensiert. (Gleiches passiert bei beheizten Kellerräumen, die über keine Wärmedämmung an den Außenwänden verfügen.) Eine feuchte Kellerwand ist das Resultat dieses physikalischen Aspektes. Grafik feuchte warme Luft kondensiert am kalten KellermauerwerkHat nun die oberflächliche Feuchtigkeit keine Möglichkeit durch genügend Luftzirkulation regelmäßig abzutrocknen, dringt das Wasser in das Mauerwerk ein und wandert durch den oben beschriebenen Kapillareffekt wieder weiter nach oben und breitet sich weiter aus. Dazu kommt, dass die ständig mit Wasser benetzte Oberfläche ein wunderbarer Nährboden für Schimmelpilze ist und den Keller zum „blühen“ bringt.

Auf konkrete Schadenbilder durch eindringende Feuchtigkeit wird noch in einem weiteren Artikel - feuchte Wände - Ursachen mit Beispielen eingegangen damit die möglichen Ursachen besser eingegrenzt werden können.

Feuchtigkeit im Keller – (k)ein Problem?

„Ja, natürlich ist das ein Problem!“ fühlt man sich gezwungen auszurufen. Man könnte allerdings dagegenhalten, dass in manchen Kellern schon seit Jahrhunderten eine gewisse Feuchtigkeit vorhanden ist und sie dem Gebäude doch bisher nicht geschadet hat.
Das Argument ist allerdings nur bedingt anzubringen, da zum einen, wie Eingangs schon erwähnt, die Anforderungen an den Keller ganz andere waren wie sie es heute sind und zum anderen haben unsere Vorfahren zum Beispiel durch regelmäßiges Kalken der Wände oder aufbringen von sogenannten „Opferputzen“ dafür gesorgt, dass sowohl Schimmel als auch für das Mauerwerk schädliche Salze in Schach gehalten wurden. Um dies aber gewährleisten zu können, ist ein regelmäßiges erneuern der Maßnahmen erforderlich. Und das passiert heutzutage doch eher nur noch selten wenn dies nicht Teil einer bewussten Sanierungsmaßnahme ist. Darüber hinaus haben sich im Laufe der Jahre vielerorts die Grundwasserpegel verändert und / oder die baulichen Gegebenheiten am Haus und in der direkten Nachbarschaft stark verändert. Aus diesem Hintergrund sind viele alte Gebäude heute auch ganz anderen Lastfällen unterworfen die zusätzliche Maßnahmen im Gebäudeschutz zwingend notwendig machen.

Warum also ist die feuchte Kellerwand ein Problem?
Ein nasser Keller bringt viele, durchaus auch schwerwiegende Probleme mit sich. Als da wären:

  1. Ein feuchtes Milieu im Keller fördert das Schimmelwachstum, der in großflächiger Ausdehnung gesundheitliche Probleme für die Hausbewohner mitbringen kann.
  2. Ebenfalls durch Schimmelpilze oder Schwämme (wie den echten Hausschwamm) können alle zellulosehaltigen Baumaterialien (Holz, Dämmstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe, Stoff, Papier und Pappe etc.) angegriffen und zerstört werden. Im Falle des echten Hausschwamms geht das Zerstörungswerk sogar direkt im Mauerwerk weiter.
  3. Gefriert das Wasser in der feuchten Kellerwand im Winter, übt es durch die Volumenzunahme von Wasser zu Eis starken Druck im Mauerwerk aus, der mit der Zeit immense Zerstörungskraft entfaltet und das Gemäuer und den Mörtel regelrecht pulverisiert.
  4. Ähnliches gilt für durch Feuchtigkeit in der Kellerwand ausgewaschene, schädliche Salze, die sich mit der Zeit anreichern und auskristallisieren. Bei der Kristallisation vergrößern die Salze ihr Volumen enorm und sprengen so ebenfalls die Steine mit der Zeit.

Gute Gründe also gegen die Feuchtigkeit im Keller vorzugehen. Im nächsten Teil dieser Artikelserie widmen wir uns einem Überblick über die verschiedenen Verfahren der Kellerabdichtung und bei welchen Problemfällen sie eingesetzt werden können und sollten.

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Wer schreibt hier?

Björn Lenz - PortraitDipl. Inf. Wirt (fh) Björn Lenz ist seit der Ausbildung zum Elektroinstallateur und anschließendem Studium an der FH-Köln bereits seit über 25 Jahren in Planung und Ausführung in der Altbausanierung in vielen Gewerken tätig und schreibt schon seit 2006 regelmäßig online Ratgeber zu Themen rund um Haustechnik, Sanierung und Renovierung.

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