Sanierputz im Keller - Opferputz und Co. ausführlich erklärt!

Sanierputz oder Opferputz? Das sind die Unterschiede zwischen Sanierungsputz und Kompressenputz. Anwendungsfälle, Probleme und nachhaltige Lösungen vorgestellt.

Arbeiter verputzt mit Sanierputz eine Kellerwand. Autor: thanatphoto
Artikeltags: Sanierputz, Sanierungsputz, Opferputz, Kompressenputz, Sanierputz innen, Sanierputz Keller
2019 | ble | n/a | sanierputz-im-keller-opferputz.php
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Sanierputz - alles ganz einfach?

Will man seinen Keller sanieren, sei es für den Ausbau zum Wohnraum oder auch nur um sicher und trocken sein Hab und Gut einlagern zu können, so stolpert man schnell über den Begriff Sanierputz / Sanierungsputz, den man angeblich aufs Mauerwerk aufbringen soll, damit alles Gut wird. Dass es in Wirklichkeit mal wieder nicht ganz so einfach ist, haben sie sich vermutlich schon gedacht, ansonsten hätten sie wohl nicht zum Thema Sanierputz oder Opferputz recherchiert um auf dieser Webseite zu landen. ;-)

Was hat es also mit Sanierungsputz, Kompressenputz und Co. auf sich und was muss man bei der Verarbeitung alles beachten? Das schauen wir uns jetzt mal etwas genauer an.

    Das Inhaltsverzeichnis des Artikels
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  1. Sanierputz innen – warum überhaupt?
  2. Was macht der Sanierputz anders?
  3. Was vor dem Auftragen eines Sanierungsputzes beachten?
  4. Sanierputz innen – so wird’s gemacht

Sanierputz innen – warum überhaupt?

Warum man nicht einfach einen normalen Zementputz oder Kalkzementputz für das Mauerwerk im Keller nutzen kann, ist leider nicht in zwei Sätzen erklärt. Die Schwierigkeiten auf die man bei der Kellersanierung in der Regel trifft sind zum einen die oft vorhandene Mauerwerksfeuchte durch Feuchtigkeit die von außen durch den Erdboden ins Mauerwerk eindringt (oder von unten ins Mauerwerk zieht), weil eine äußere vertikale Flächenabdichtung an der Wand fehlt oder beschädigt ist bzw. weil bei von unten aufsteigender Feuchtigkeit eine fehlende horizontale Feuchtesperre das Eindringen von Wasser in die Wände nicht verhindert und es ungehindert durch kapillare Effekte im Mauerwerk nach oben aufsteigen kann. Die Kellerwände sind feucht. Das kann man in der Regel auch leicht prüfen, wenn man die Hände auf die Kellerwand legt bzw. ist das auch oft auf den ersten Blick sichtbar da die Wände an den feuchten Stellen dunkler oder verfärbt erscheinen. Will man es genau wissen, kann man auch mit einem einfachen Feuchtemessgerät die Wandfeuchte nachmesssen. Diese Geräte gibt es schon für wenige Euro im nächsten Baumarkt oder im Internet zu kaufen. (Siehe Liste unten).

Nun bringt diese Feuchtigkeit sehr häufig noch ein zweites Problem in seinem Gepäck gleich mit sich. Es werden im Gestein und im Fugenmörtel vorhandene Salze Salzausblühungen auf Naturstein im Keller. Autor: ble (Chloride, Sulfide oder Nitrate) gelöst und zur Oberfläche der Innenseite der Kellerwände transportiert. Durch die Verdunstung der Feuchtigkeit auf der Wandoberfläche kristallisieren diese Salze aus. Erkennbar an den weißlichen oder gelblich, bis bräunlich erscheinenden Ausblühungen auf dem Mauerwerk. Durch die Kristallisation vergrößern die Salze sehr stark ihr Volumen und zerstören hierdurch Fugenmörtel, Gestein in der Wand, aber eben auch den aufgebrachten Putz wenn dieser nicht die Salze unbeschadet aufnehmen kann. Wie dies eben spezielle Sanierputze oder Opferputze können.

Leider ist die Geschichte um die Mauersalze noch nicht ganz zu Ende erzählt. Generell sind Salze immer hygroskopierend – das heißt feuchtigkeitsanziehend. Ist also eine Wand stark mit Salzen belastet, ziehen diese aus der Umgebungsluft zusätzlich noch die Feuchtigkeit an. Die Kellerwand wird weiterhin auf ihrer Oberfläche feucht sein, auch wenn man zur Kellersanierung eine vertikale Abdichtung von außen und dazu eine Horizontalperre eingebracht hat. Hier ist also der zweite wichtige Auftrag den Sanierputze bzw. Opferputze im Gegensatz zu herkömmlichen Verputzen leisten können. Sie nehmen die Feuchtigkeit aus der Wand auf und leiten sie durch ihre guten Diffusionswerte weiter an die Oberfläche, damit dort eine Verdunstung eintreten kann.

Versiegelt man einfach die feuchte Wandfläche mit einem herkömmlichen Putz passieren zwei Dinge:

  1. Der Putz wird mit der Zeit durch die Salzkristallisation gesprengt. Er zerfällt recht schnell.
  2. Die Feuchtigkeit im Inneren der Wand wird mehr, der kapillare Druck in der Wand steigt und die Feuchtigkeit breitet sich weiter aus. So zum Beispiel in die nächsthöhergelegene Etage.

Punkt zwei ist besonders ausschlaggebend, wenn keine gute Abdichtung von außen erfolgen kann und somit immer weiter Feuchtigkeit in die Wände eindringen kann.

Was macht der Sanierputz anders?

Ein Sanierputz ist so aufgebaut, dass er im Inneren große Poren (ähnlich wie ein Schwamm) hat, in denen sich das Salz einlagern und kristallisieren kann, ohne dass der Putz Schaden nimmt. Gleichzeitig saugt er das Salz mit der Feuchtigkeit aus der Wand in sich hinein und entsalzt somit dauerhaft die Kellerwand.

Der Opferputz / Kompressenputz geht hier noch einen Schritt weiter. Er ist noch stärker saugend, nimmt daher noch mehr Mauersalze auf und lässt die transportierte Feuchtigkeit nach außen diffundieren. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Sanierungsputz erhöht sich somit nicht der Wasserdruck im inneren des Mauerwerks und es werden keine weiteren Bereiche hierdurch durchfeuchtet. Allerdings ist der Kompressenputz nicht auf Langlebigkeit ausgelegt. Nach ein bis zwei Jahren (je nach Salzgehalt in den Wänden) ist der Putz mit Salzen gesättigt und fängt an sich zu zersetzen. Er muss nun abgeschlagen und erneuert werden. (Daher der Name Opferputz – er wird zum Wohle der Wand „geopfert“). Man muss sich also entscheiden ob man mit einem Sanierputz eine optisch langlebige Lösung bevorzugt (meist immer dann wenn die Kellerräume bewohnbar gemacht werden sollen), oder aber ob möglichst viel Salz aus den Wänden gezogen werden, und eine weitere Verbreitung der Wandfeuchte unterbunden werden soll (Opferputz).

Was vor dem Auftragen eines Sanierungsputzes beachten?

Im ersten Schritt sollte vom Fachmann genau abgeklärt werden woher die Feuchtigkeit in den Kellerwänden kommt (falls die Wände feucht sind). Im Zuge dessen sollte über entsprechende Sanierungsmaßnahmen wie Horizontalsperre und außenseitige Abdichtung gegen eindringende Feuchtigkeit nachgedacht werden. Hier spielt eine Rolle in welcher Form die Kellerräume in Zukunft genutzt werden sollen.

Zusätzlich dazu wird unbedingt eine Analyse zur Salzbelastung der Wände benötigt um im Zuge dessen einen passenden Sanierputz auswählen zu können. Nicht jeder Sanierungsputz ist für alle Belastungen und Salze geeignet. Als Richtwerte können hierzu die Salzgehalte aus der Tabelle der WTA (Wissenschaftlich technische Arbeitsgemeinschaft f. Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.) aus dem WTA-Merkblatt „Sanierputzsysteme“ hergenommen werden. Hierin wird die Salzbelastung sowohl nach Art der Salze (Chloride, Nitrate und Sulfate – siehe auch den Artikel Salpeter im Keller) unterschieden, als auch nach den Belastungsstufen „geringe Belastung“, „mittlere Belastung“ und „hohe Belastung“ eingeteilt. Dies bestimmt maßgeblich sowohl die genaue Sorte des Sanierputzes als auch den Aufbau der auf die Wand aufgetragenen Putzschichten.

Um dies nochmal an dieser Stelle zu betonen. Wenn nicht die Feuchtigkeitszufuhr von außen nachhaltig gestoppt wird, erreicht man unter keinen Umständen eine vollständig trockene Putzoberfläche und je nach dem wie diffusionsdicht man die Oberfläche des Putzes gestaltet, steigt der Wasserdruck in der Wand und es sucht sich seinen Weg in andere, bisher trockene Bereiche der Wände und eventuell auch bis in die Raumdecken und darüber hinaus. Man sollte als Schutz der oberen Etagen bei einer hohen Durchfeuchtung der Wand eine Horizontalsperre in die Wand unterhalb der Kellerdecke einbringen lassen, die zukünftig sicher ein Aufsteigen der Feuchtigkeit verhindert. Außerdem werden immer weiter Salze aus dem Mauerwerk ausgewaschen und im Putz eingelagert. Selbst der beste Sanierputz hat kapazitive Grenzen und wird im schlechtesten Fall alle 3 bis 5 Jahre ausgetauscht werden müssen. Opferputze eventuell sogar jährlich!

Sanierputz innen – so wird’s gemacht

Hat man nun alle Planungen und Vorarbeiten zur Kellertrockenlegung abgeschlossen muss noch der Sanierputz (Opferputz) auf die Wand gebracht werden. Beispielhaft soll hier der Ablauf und Auftrag von Sanierputz im Keller bei Wänden mit mittleren bis hohen Salzbelastungen beschrieben werden. Wurde der Salzgehalt der Wände nicht eindeutig bestimmt, so sollte man immer die höchste Belastungsstufe zur Auswahl des passenden Sanierungsputzes annehmen. Achten sie auf jeden Fall auch darauf, dass sie sich für ein zusammenpassendes Putzsystem eines einzelnen Herstellers entscheiden, da die verschiedenen Putze genau aufeinander abgestimmte Komponenten sind und nur so ein optimales Ergebnis erzielt werden kann. Soll der Sanierungsputz nicht vollflächig auf den Wänden aufgetragen werden so ist die Empfehlung den Sanierputz zumindest bis etwa einen Meter über der sichtbaren Feuchtigkeitshöhe aufzubringen. Legen wir also los.

  1. Als vorbereitende Maßnahme muss, falls vorhanden, der alte versalzte Putz gründlich abgeschlagen werden. Falls möglich die Mörtelfugen auch 2-3cm tief auskratzen, um möglichst viele Salze von vorneherein aus dem Mauerwerk herauszunehmen. Aber Achtung! Wer jetzt meint die Mörtelfugen noch tiefer auskratzen zu müssen kann die Statik des Gebäudes stark beeinträchtigen. Bereits bei mittleren Wandstärken ist jeder Zentimeter weniger im Steinverbund ein echtes Problem! Das kann auch nachträglich mit einer neuen Verfugung bzw. neuem Putz auf der Wand nicht mehr ausgeglichen werden, da keine (oder nur mit hohem Aufwand) kraftschlüssige Verbindung der Steine mehr nachträglich auf diesem Wege hergestellt werden kann! Auch die Wände mit dem Hochdruckreiniger abzuspritzen ist keine wirklich gute Idee. Zum einen werden große Mengen Wasser in das Mauerwerk eingetragen und zum anderen wird durch das zusätzliche Wasser das vorhandene Salz unberechenbar weiterverteilt.
  2. Im zweiten Schritt wird nun der sogenannte Saniervorspritz auf den Untergrund aufgebracht. Dabei wird die Wand mit dem Vorspritz Putz meist nur etwa zu 50% benetzt, je nach Putzsystem und Untergrund kann aber auch ein 100%iger Auftrag erforderlich sein. Der Vorspritz verbessert die Haftung des Sanierputzes auf dem Mauerwerk ganz erheblich und wird vor allem bei schwach saugenden und inhomogenen Untergründen (z.B. Bruchstein) eingesetzt. Schichtdicke etwa 5-7mm.
  3. Bei unregelmäßigen Untergründen wird nun eine Lage Porengrundputz als Ausgleichsputz aufgetragen. Er hat eine hohe Porosität und kann sehr gut Salze speichern. Alternativ dazu wird aber oft auch nur der Sanierputz in mehreren Lagen aufgetragen. Um die Haftung der nächsten Putzschicht zu verbessern wird die Oberfläche dieser Putzfläche in feuchtem Zustand mit einem Besen oder einer feinen Zahnkelle aufgeraut. Schichtdicke etwa 15-30mm
  4. Im nächsten Schritt folgt nun der eigentliche Sanierputz bzw. die zweite Schicht Sanierputz wenn auf den Ausgleichsputz verzichtet wurde. Im Prinzip kann diese Putzschicht sauber und glatt abgezogen und als Endputz genutzt werden, will man nicht noch einen zusätzlichen Dekorputz im Nachgang auftragen. Wird mit Dekorputz gearbeitet, so sollte die Oberfläche des Sanierungsputzes mit einem Quast vor dem Abbinden wieder leicht aufgeraut werden um dem Dekorputz besseren Halt zu bieten. Schichtdicke 15-30mm
  5. Zur farblichen Gestaltung sollten unbedingt möglichst diffusionsoffene Farben verwendet werden um ein Kondensieren von Feuchtigkeit auf der Oberfläche zu verhindern. Diese Feuchtigkeit bietet einen idealen Nährboden für Schimmelpilze. Auch schwere Tapeten sind meist nicht durchlässig genug und sollten als Wanddekoration vermieden werden. Gleiches gilt für Fliesen auf dem Putz. Man kann zwar einen Sockel aus Fliesen ausführen, sollte dabei aber bedenken, dass in diesem Bereich die eigentliche Funktion des Sanierputzes außer Kraft gesetzt wurde und es durch die Abdichtung zu einem Anstieg der Feuchtigkeit im Putz kommen wird. Generell gilt der Grundsatz: „Zum Innenraum hin immer diffusionsoffenere Materialien verwenden.“

Grafik Sanierputz möglicher Aufbau der SchichtenAchten sie bei der Ausführung des Sanierputzes darauf, dass dieser nicht bis ganz auf den Boden ausgeführt wird. Besser ist den Putz etwa 2-3cm oberhalb des fertigen Bodens enden zu lassen und zur Verbindung mit dem Boden eine Hohlkehle mit einem Sperrmörtel auszuführen.

Abschließend bleibt an dieser Stelle nur zu sagen, dass eine gute Belüftung der Räume auch nach den Sanierungsarbeiten immer ein wichtiger Faktor ist um möglichst viel Feuchtigkeit aus den Räumen heraus zu transportieren und somit einem möglichen Schimmelbefall im Keller vorzubeugen. Kann dies nicht händisch gewährleistet werden, so gibt es Heutzutage gute und zuverlässige Lüftungsanlagen, die diese Aufgabe übernehmen können.

Ich hoffe dieser Artikel über Sanierputz im Keller konnte ihnen eine Hilfe bei ihren Ausführungen sein. Ich empfehle für weitere Bau- und Sanierungsmaßnahmen einen Blick in die weiteren Artikel auf meiner Webseite, oder sie schauen mal in die Buchempfehlungen falls sie ihr Wissen für eine Sanierung mit Sanierputz, Opferputz und Co. noch vertiefen wollen. Weiterhin viel Erfolg bei ihrem Vorhaben!

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Wer schreibt hier?

Björn Lenz - PortraitDipl. Inf. Wirt (fh) Björn Lenz ist seit der Ausbildung zum Elektroinstallateur und anschließendem Studium an der FH-Köln bereits seit über 25 Jahren in Planung und Ausführung in der Altbausanierung in vielen Gewerken tätig und schreibt schon seit 2006 regelmäßig online Ratgeber zu Themen rund um Haustechnik, Sanierung und Renovierung.

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