Mauerwerksabdichtung, Verkieselung - Injektionsverfahren vorgestellt

Eine Horizontalsperre mit Injektionsverfahren (durch Verkieselung) - ein beliebtes Verfahren zur Mauerwerksabdichtung. Techniken, Probleme und Kosten im Vergleich.

Behälter zur Wandinjektion halb gefüllt in Bohrlöchern. Autor: PhotographyByMK
Artikeltags: Mauerwerksabdichtung, Injektionsverfahren, Verkieselung, Horizontalsperre mit Injektionsverfahren
2019 | ble | n/a | mauerwerksabdichtung-mit-injektionsverfahren.php
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Mauerwerksabdichtung ganz einfach?

Wie bereits in einigen vorangegangenen Artikeln erwähnt, ist das Einbringen einer Horizontalsperre mit Injektionsverfahren, neben den mechanischen Verfahren zur Herstellung einer Horizontalsperre, sehr beliebt. Gerade für „Selbermacher“ übt die Verkieselung des Mauerwerks im Keller einen großen Reiz aus, da sie vermeintlich einfach und ohne schweres Spezialgerät umzusetzen ist und im direkten Vergleich günstig scheint. Das dies nicht immer der Fall ist und dazu auch eine ganze Reihe Fallstricke und Probleme bei der Mauerwerksabdichtung durch Injektionsverfahren auftreten können, soll in diesem Artikel angesprochen werden. Dazu werden die verschiedenen Injektionsverfahren zur Verkieselung / Abdichtung mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt.

    Das Inhaltsverzeichnis des Artikels
    mauerwerksabdichtung-mit-injektionsverfahren.php

  1. Welche Injektionsverfahren gibt es?
  2. Mehrstufige Injektionen
  3. Thermische Injektion
  4. Impulsinjektion
  5. Injektionsverfahren Vorteile
  6. Injektionsverfahren Nachteile
  7. Welche Injektionsstoffe gibt es?
  8. Injektionsverfahren – Kosten

Welche Injektionsverfahren zur Mauerwerksabdichtung gibt es?

Grundsätzlich werden so genannte drucklose Injektionsverfahren und Injektionsverfahren mit Niederdruck unterschieden. Darüber hinaus werden noch verschiedene weitere technische Verfahrensweisen sowohl in druckloser als auch in den Niederdruckverfahren zur Verkieselung eingesetzt. Zu nennen wären hier die

Bei allen Verfahren werden in der Regel ein bis zwei Reihen Bohrlöcher im Abstand von etwa 10 bis 15cm horizontal angelegt, die dann im weiteren Verlauf zur Verkieselung mit Silikaten (oder anderen Dichtstoffen) gefüllt werden, damit diese in die kapillaren Hohlräume im Mauerwerk eindringen können und so das Umfeld jedes einzelnen Bohrlochs hierüber versiegeln. Löcher zur Mauerwerksabdichtung mit Injektionen - Detail. Autor: PhotographyByMKEine abgedichtete Ebene innerhalb des Mauerwerks entsteht.

Bei den drucklosen Injektionsverfahren werden die Präparate zur Mauerwerksabdichtung rein über die Schwerkraft in die Bohrlöcher eingebracht. Viele kennen vermutlich das Bild der in ein oder zwei Reihen auf eine Wand aufgesteckten Fülltrichter mit einer farbigen Flüssigkeit darin (Siehe auch großes Bild am Anfang dieses Artikels). Hier findet eine drucklose Mauerwerksabdichtung statt. Bei Niederdruckverfahren werden Packer (Anschlussstopfen) in die Bohrlöcher eingebracht um die Einfüllöffnungen dicht zu verschließen. Dann wird mit einem Schlauchsystem eine Pumpe angeschlossen, welche die Dichtungsflüssigkeit mit bis zu 10 Bar Druck in die Löcher presst. Die Höhe des Drucks ist hier unter anderem abhängig von der Beschaffenheit des Mauerwerks und des zu verwendenden Dichtstoffs.

Mehrstufige Injektionen

Grafik - Schnitt durchs Mauerwerk - Anwendung einer mehrstufigen InjektionZur Herstellung einer Horizontalsperre im Injektionsverfahren in Mauerwerk mit innenliegenden Hohlräumen wie zum Beispiel Hochlochziegel oder auch Bruchsteinwände werden in aller Regel mehrstufige Verfahren zur Verkieselung eingesetzt. In der ersten Stufe wird dabei ein sehr dünnflüssiger Spezialzement in die Bohrlöcher eingebracht um die Hohlräume zu verschließen in denen ansonsten die Dichtflüssigkeit wirkungslos versickern würde. Im zweiten Schritt wird dann die eigentliche Mauerwerksabdichtung mit dem Dichtstoff durchgeführt.

Thermische Injektion

Wie der Name dieses Injektionsverfahrens schon andeutet, werden vor dem Einbringen der Dichtungsflüssigkeit die Bohrlöcher über Heizstäbe erhitzt um die Feuchtigkeit aus der Umgebung der Bohrungen verdunsten zu lassen und damit die Effektivität der Abdichtung zu erhöhen. (Die kapillaren Öffnungen im Gestein enthalten weniger Wasser und der Dichtstoff kann dort besser eindringen). Oft wird in diesem Verfahren auch mit Paraffin als Dichtungsmittel gearbeitet, der durch die Erwärmung der Bohrlöcher noch bessere Fließeigenschaften erhält.

Impulsinjektion

Eine Impulsinjektion ist eine technisch verbesserte Verfahrensweise, die über eine Elektronik den Füllstand in den Bohrlöchern optimal steuert und überwacht und somit ein optimales Ergebnis bei jedem Wandtyp erzeugen kann.

Injektionsverfahren Vorteile

Eine Horizontalsperre mit Injektionsverfahren herzustellen bringt einige Vorteile gegenüber den mechanischen Verfahren, wie zum Beispiel dem Maueraustauschverfahren oder dem Mauersägeverfahren, mit sich.

  1. Es sind keine baustatisch relevanten Eingriffe ins Mauerwerk erforderlich.
  2. Die Durchführung ist (bis auf das Bohren der Bohrlöcher) erschütterungsfrei.
  3. Die Außenhaut der Wände wird nicht beschädigt.
  4. Es werden recht schnelle Erfolge erzielt. (Keine lästigen Wartezeiten zwischen Bauabschnitten).
  5. Im direkten Vergleich recht günstig in der Ausführung.
  6. Drucklose Verfahren unter Umständen auch von Laien durchführbar.

Wobei sich die Kosten für Injektionsverfahren bei näherer Betrachtung relativieren, wie wir an späterer Stelle noch sehen werden. Auch der letzte Punkt in der Liste ist nur eingeschränkt gültig, da auch wie bei anderen Verfahren zur Mauerwerksabdichtung bei der Verkieselung der Teufel im Detail steckt. Ohne den Mauerwerkstyp zu bestimmen, die Mauerfeuchte zu wissen und vor allem den Lastfall zu kennen, ist eine optimale Ausführung von Injektionsverfahren nur schwer möglich. Im schlechtesten Fall bleibt die Maßnahme weitgehend wirkungslos. Um oben genannte Parameter bestimmen zu können, stößt der Laie allerdings schnell an seine Grenzen. Daher ist eine Ausführung der Mauerwerksabdichtung immer besser in den Händen eines Fachbetriebes aufgehoben, oder doch zumindest von einem Bausachverständigen zu begleiten.

Injektionsverfahren Nachteile

Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt und so gibt es auch beim Anbringen einer Horizontalsperre mit Injektionsverfahren Nachteile, die durchaus Gewicht haben.

  1. Im Lastfall „drückendes Wasser“ nur sehr bedingt einsetzbar.
  2. Generelle Abdichtungsfähigkeit auch bei guten Bedingungen nur bei 60 – 80%.
  3. In wassergesättigtem Mauerwerk schlecht einsetzbar und die Abdichtung ist auch schlechter.
  4. Je nach verwendetem Injektionsstoff können in Kombination mit gipshaltigen Elementen im Mauerwerk mauerwerksschädigende Salze entstehen.
  5. Haltbarkeit (Standzeit) der Maßnahmen in der Regel nur etwa halb so lang (20-25 Jahre) wie bei mechanischen Verfahren.

Mit Ausnahme des letzten Punktes zeigen auch die hier aufgeführten Nachteile der Injektionsverfahren ganz eindringlich, wie wichtig es ist im Vorfeld einer Mauerwerksabdichtung genaue Kenndaten von Mauerwerk und der Umgebung zu sammeln um abschätzen zu können, ob eine Horizontalsperre mit Injektionsverfahren überhaupt (wirtschaftlich) sinnvoll einsetzbar ist.

Welche Injektionsstoffe zur Verkieselung gibt es?

Wer sich tiefergehend mit der Mauerwerksabdichtung über Injektionsverfahren beschäftigt, kann schnell feststellen, dass es eine Unzahl verschiedener Mittel zur Abdichtung auf dem Markt gibt. So gibt es zum Beispiel:

Gerade Epoxydharze sind immer wenn sowohl in der Kellerwand als auch im umgebenden Boden erhöhte Wassermengen zu finden sind problematisch in der Anwendung und die Abdichtungsergebnisse oft eher unbefriedigend. Auch problematisch können Alkalisilikate sein, wenn im Mauerwerk Gipsanteile zu finden sind. Das Mauerwerk kann nachhaltig durch in chemischen Prozessen entstehende Salze über die Jahre hinweg geschädigt werden. Für die meisten Anwendungsfälle unproblematisch sind in aller Regel Dichtstoffe auf Basis von Silanen, Paraffin und Silikonmikroemulsionen.

Mauerwerksabdichtung mit Injektionsverfahren – Kosten

Wie bereits in anderen Artikeln dieser Artikelserie zur Mauerwerksabdichtung geschrieben, ist es immer sehr schwierig ganz konkrete Zahlen zu den Kosten anzugeben. Das gilt in gleichem Maße auch für die Kosten von Injektionsverfahren, da einfach zu viele Umstände direkt vor Ort berücksichtigt werden müssen, die maßgeblich die Auswahl des Injektionsverfahrens zur Verkieselung des Mauerwerks bestimmen. Ganz grob kann man bei mittleren Wandstärken von bis zu 40cm von Kosten zwischen 80 und 110€ brutto je laufenden Meter Wandfläche ausgehen. Dabei unterscheiden sich die drucklosen Verfahren und die Niederdruckverfahren nur unwesentlich im Preis. Meist liegen die Niederdruckverfahren nur um 5-10€ /lfm höher.

Im Vergleich zu den mechanischen Verfahren, die in aller Regel um den Faktor 2 – 3 teurer sind als die Verfahren zur Verkieselung, muss aber auch bedacht werden, dass die Haltbarkeit der Horizontalsperre im Verkieselungsverfahren auch nur mit etwa der Hälfte der Zeit (ca. 20 – 25 Jahre) angegeben wird, so dass sich die höheren Kosten der mechanischen Verfahren auf den betrachteten Zeitraum amortisieren können. Das gilt insbesondere dann, wenn man noch den höheren Abdichtungsgrad der mechanischen Verfahren in seine Überlegungen hinzuzieht. Gerade beim Umbau des Kellers in Wohnraum kann das ein entscheidender Faktor sein, den man in seine Überlegungen zur Mauerwerksabdichtung einbeziehen sollte.

Ich hoffe, dieser Überblick über die verschiedenen Injektionsverfahren zur Verkieselung des Mauerwerks im Keller konnte ihnen einen guten Einblick in die Technik und Probleme geben. In einem weiteren Artikel werden auf ähnlich Weise die mechanischen Verfahren genauer beleuchtet um ihnen auch hier entsprechende Informationen zur perfekten Auswahl der Maßnahmen einer Horizontalsperre zu geben.

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Wer schreibt hier?

Björn Lenz - PortraitDipl. Inf. Wirt (fh) Björn Lenz ist seit der Ausbildung zum Elektroinstallateur und anschließendem Studium an der FH-Köln bereits seit über 25 Jahren in Planung und Ausführung in der Altbausanierung in vielen Gewerken tätig und schreibt schon seit 2006 regelmäßig online Ratgeber zu Themen rund um Haustechnik, Sanierung und Renovierung.

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